Perverse Marketingstrategie: Adolf Hitler als Motiv für Wein-Etiketten

Die Tatsache, dass rassistisches Gedankengut in Norditalien sowohl bei Rechtspolitikern als auch bei Fussballfans weit verbreitet ist, scheint hinlänglich bekannt. Aber jetzt hat der norditalienische Winzer Ales­san­dro Lunar­delli eine besonders perverse Art des Marketing entdeckt. Das Weingut aus dem Friaul bietet in seinem Onlineshop unter der verharmlosenden Rubrik “Zeit der Geschichte” zahlreiche Etiketten an, die das Konterfei von Hitler und seinen Schergen (Göhring, Hess, Rommel, etc.) zeigen. Als ob die faschistischen Motive nicht genug wären, sind die Etiketten mit Aussprüchen wie beispielweise “Führerwein”, “Ein Volk, ein Reich, ein Führer” oder “Sieg Heil” unterlegt. Obwohl das Weingut neben barbusigen Frauen auch Rocker und Führer der kommunistischen Bewegung in der Auswahl hat, erzielen wohl die faschistischen Motiven den besten Marketingeffekt.

Stolz erklärt der Besitzer Ales­san­dro Lunar­delli auf seiner Homepage, dass er aufgrund der “Erfindung” der “historischen Serie” sowohl national als auch international große Aufmerksamkeit erfährt. Rund die Hälfte der verkauften Weine des Weingutes wird mit den faschistischen Etiketten versehen. Bei ca 100.000 verkauften Weinen scheint es also eine Vielzahl an verblendeten Menschen zu geben, die sich einen solchen Wein ins Regal stellen oder ihn zum nächsten Kameradschaftsabend mitbringen. Dabei ist die Familienkellerei, die von ca. 30 Winzern die Jungweine aufkauft, sie ausbaut, abfüllt und unter den anstösigen Labels vertreibt, nicht für die Qualität seiner Weine bekannt. Vielmehr ziehlt das Interesse der Familienkellerei auf eine Kundschaft ab, die weniger auf den Inhalt als auf das Etikett der Flasche wertlegt.

Tatsächlich scheint es so, dass die Verwendung von Hitler-Motiven keine strafrechtlichen Konsequenzen hat, denn der Verkauf verstößt nicht gegen italienisches Recht.

Die Heroisierung der Nazizeit ist jedoch nicht nur geschmacklos, sondern auch in einem hohen Maß gefährlich. Das rechtsradikale Potential in Norditalien ist nämlich groß. Neben der Lega-Nord und der Forza Italia, der Partei von Silvio Berlusconi, trifft man immer wieder auf Äußerungen von Politikern, die sich vorallem der rechten Polemik verschrieben haben. So bezeichnete neulich der Lega-Nord Abgeordnete Roberto Calderoli die erste dunkelhäutige Ministerin des Landes öffentlich als “Orang Utan”. Ganz zu schweigen von den seit Jahren vorherschenden rassistischen Schmähgesängen der Fussballfans gegen dunkelhäutige Spieler.

Ales­san­dro Lunar­delli hatte mit seinen Hilter-Motiven bereits vor einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Ein Supermarkt in Verona hatte die Weine in ihr Sortiment aufgenommen und sah sich daraufhin heftiger Kritik der Öffentlichkeit ausgesetzt. Die Weine wurden anschließend wieder kommentarlos aus den Regalen genommen. Anscheinend will Ales­san­dro Lunar­delli jedoch nicht von seiner Marketingstrategie abrücken, denn nun vertreibt er die Weine über den eigenen Onlineshop. Bezeichnenderweise werden neben Italienisch auch die Shop-Sprachen Englisch und Deutsch angeboten.

Anfangs waren in diesem Beitrag die entsprechenden Etikettenfotos noch zu sehen. Aufgrund der Tatache, dass die Strafverfolgungsbehörden sehr sensibel auf die Darstellung von verfassungswidrigen Symbolen reagieren – so geschehen bei einem linksorientierten Punk, der sich infolge eines Buttonaufnähers auf seiner Jacke, welcher ein durchgestrichenes Hakenkreuz zeigt, wegen Darstellung verfassungswidriger Symbole vor Gericht verantworten musste – wird auf die Darstellung und Verlinkung der Etikettenfotos verzichtet. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

 

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