Riesling Spätlese oder dem Bischof sei Dank….

Nachfolgend ein Nachtrag aus dem Sommer 2011.

Eine Legende besagt, dass im Mittelalter jeder Winzer bevor er mit der Ernte der Trauben beginnen durfte, die Erlaubnis, bzw. den Segen des Bischofs einholen musste. Ein Reiter aus jedem Weinbaugebiet wurde zum Bischof entsandt um dessen Zustimmung einholen. Eines Tages verunglückte der Reiter mit seiner Botschaft auf dem Rückweg in sein Dorf. Die Winzer warteten Tage und Wochen und beschlossen schließlich den deutlich „später“ als üblich gelesenen Wein dennoch einzuholen und erfanden laut Volksmund so die Spätlese. Dem Bischof sei Dank…..

Leicht verspätet erreichte ich die große Riesling-Probe beim Weinhändler meines Vertrauens. Jeder kennt sicher den Effekt, wenn man direkt nach dem Sport in die Dusche springt und anschließend direkt weiter hetzt. Leicht schwitzend saß ich dann schließlich in netter Runde am Degu-Tisch und die Runde konnte beginnen.

Bitte wundern Sie sich nicht über die 20 Punkte-Skala, diese wurde inzwischen bei aktuellen Posts durch eine 100 Punkte-Skala abgelöst, denn sie ermöglicht eine wesentlich differenziertere Betrachtungsweise.

Los ging es im ersten Zweierflight mit dem 2009er Riesling QbA. von Fritz Haag. In der Nase roch dieser Wein nach Quitten und wirkte noch recht jung, lebendig und frisch am Gaumen. Die Säure war noch sehr ausgeprägt, was mich bei einem 2009 auch nicht weiter wunderte – 15 /20. Der 2008er Riesling QbA. von Fritz Haag präsentierte sich schon wesentlich reifer, mit leichter Firne, etwas grasig mit kräutriger Nase, am Gaumen wirkte er schmelzig, mit schöner Restsüße und einer gut eingebundenen Säure – 17/20.

Im nächsten Flight kamen dann die Toplagen von Fritz Haag der 2009er Brauneberger Juffer feinherb. Diese sind nicht nur Top sondern auch mit bis zu 80 % extrem steil. Die Trauben können von den Mitarbeitern aufgrund der Steillage nur angeseilt und von Hand gelesen werden. Eigentlich einer meiner Lieblingsweine, in dieser Flasche hingegen präsentierte er sich mit verhaltenem Bouquet aber einem tollen Frucht-Säure Spiel und den typischen Riesling Primäraromen von reifem Pfirsich – 17/20. Der 2008er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Spätlese- erste Lage- von Fritz Haag zeigte bereits erste Reifenoten, hatte eine leicht grasige Nase und wirkte am Gaumen recht schmelzig, wobei er für meinen Geschmack etwas zu viel Restsüße besaß.

Sehr lecker war im nächsten Flight auch der 2007er Graacher Himmelreich Kabinett feinherb vom Weingut Dr. Loosen, welcher sich bereits aufgrund seiner leicht nach Firne riechenden  Nase als gereiftes Gewächs, dennoch am Gaumen als ein sehr intakter, mit einem schönen Frucht-Säure Spiel und einem schmelzig-süßen Abgang bestechender Wein zeigte – 18/20. Der 2006er Schwarzhofberger Kabinett feinherb von Reichsgraf von Kesselstadt zeigte hingegen bereits deutliche Reifenoten mit ausgeprägt grasiger Petrol-Nase. Am Gaumen dann deutliche Zitrus Noten, mineralisch – 16/20.

Weiter entlang an der Mosel ging es mit einem eher enttäuschenden Flight, dem 2009er Maximin Grünhäuser Abtsberg Kabinett trocken vom Weingut Dr. Carl von Schubert, der eine parfümierte Nase besaß und sehr mineralisch wirkte. Hätte ihn blind sogar für eine Savignon Blanc gehalten -15/20. Total verschlossen und mit einer hefigen Nase präsentierte sich der 2009er Maximin Grünhäuser Herrenberg Alte Reben trocken vom Weingut Dr. Carl von Schubert. Da sind sicherlich in den nächsten zwei Jahren noch locker 1-2 Punkte mehr drin -14/20.

Der nächsten Flight war leider auch eher Schatten als Licht, denn der 2008 Maximin Grünhäuser Abtsberg Kabinett trocken zeigte sich mit indifferentem Duft und einer deutlichen Spur von flüchtigen Säuren – 12/20. Der 2007 Maximin Grünhäuser Abtsberg Kabinett trocken hatte leider einen Korkschaden und war schlichtweg ungenießbar.

Einfach super hingegen war der nächste Durchgang. Der 2007er Kaseler Nieschen Spätlese trocken Bischöfliche Weingüter Trier zeigte bereits leichte Reifenoten in der Nase, wirkte jedoch sehr intakt und stoffig mit schönen Fruchtaromen am Gaumen. Öffnete sich nach 5 Minuten wunderbar im Glas und mit einem Preis von knapp 10 € ein echter Blockbuster.  – 18/20. Mein persönlicher Favorit folgte im Nachbarglas, der 1990er Maximin Grünhäuser Abtsberg Kabinett trocken. Keinerlei Alterserscheinungen mit einer komplexen Nase nach Zitrus und Honigmelone, immer noch lebendig mit  gut eingebundener Säure und tollem Fruchtspiel. Erstaunlich wie gut sich ein Kabinett über die Jahre halten kann – 19/20.

Von der Mosel ging es dann ins Rheingau zu Schloss Vollrads, wo der Rhein kurzfristig seine Süd-Nord Fließrichtung ändert und nach Süd-Süd-Westen fließt. Der 2007er Riesling Spätlese trocken von Schloss Vollrads zeigte sich erstaunlich jung, mit spritziger und lebendiger Säure. Trotz der 3 Jahren Flaschenreife wirkte der Wein noch jung und ungestüm und wird sicherlich mit zunehmendem Alter noch mehr Charme entfalten – 16/20. Sehr jung und unharmonisch mit einem indifferenten Geschmacksbild wirkte auch der 2009er Riesling Kabinett feinherb von Schloss Vollrads – 15+/20.

Etwas geschmeidiger hingegen zeigte sich der 2007er Riesling Erstes Gewächs von Schloss Vollrads. Komplexer Duft nach trockenen Früchten und Pfirsichen, cremig mit lebendiger Säure und schönem Frucht-Säure Spiel am Gaumen – 17/20. Deutlich mit mehr Reife und einer petrolischen Nase präsentierte sich der 2005er Riesling Spätlese halbtrocken von Robert Weil. Für Fans von Botrytis Spätlesen ein absolutes Muss. Schließlich sind speziell die Beerenauslesen von Robert Weil weltberühmt, vor allem in Japan sind sie heiß begehrt und erzielen auf Auktionen Rekordpreise von 500-600 € für eine 0,375l Flasche!

Als vorletzter Flight kredenzte uns der Gastgeber einen 2006er Erbacher Marcobrunn Spätlese von Freiherr Langwerth von Simmern, der durch seine komplexe Nase nach reifen Pfirsichen, Melone und Erdbeeren bestach. Für meinen Geschmack zeigte sich dieser Riesling mit etwas zuviel Restsüße, wirkte klebrig am Gaumen und ging vom Stil her eher Richtung BA (Beerenauslese) -  17/20. Im anderen Glas hatten wir das Erste Gewächs von Robert Weil Kiedricher Gräfenberg 2004, welcher bereits eine leichte Altersfirne zeigte, sich aber dennoch sehr stoffig und komplex am Gaumen präsentierte. Seine leicht grasige Note war eher einem Savignon Blanc als einem Riesling ähnlich – 17/20.

Als krönenden Abschluss stellte uns der Weinhändler meines Vertrauens eine Beerenauslese Deidesheimer Maushöhle 2004 vor die Nase. Dies war ein wahres Feuerwerk der Aromen. Aus meinem Glas strömten  intensive, komplexe Aromen von Pfirsichen und exotischen Früchten, am Gaumen dann cremig und stoffig mit einem bezaubernden Frucht- Säure Spiel. Obwohl die BA mit 248 Grad Öchsle sehr viel Restzucker besaß, balancierte die vorhandene Säure dies elegant wieder aus. Ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Abend!

 

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